Bergbauhistorisches zu Gästen, Gastgebern und deren Problemen vor 150 Jahren

Veronica-and-Richard0
Level 10
Lebach, Germany

Bergbauhistorisches zu Gästen, Gastgebern und deren Problemen vor 150 Jahren

Nach vielen Jahren habe ich mir mal wieder ein Buch gekauft.

 

Buch zur Geschichte - schwarz wie die KohleBuch zur Geschichte - schwarz wie die Kohle

 

Vor 2 Wochen war ich auf dem Flohmarkt Saarlouis und habe dort
das historische Buch aus dem Jahr 2012
"Das Erbe - Die Ausstellung zum Bergbau im Saarland"
gefunden und werde es meinem Vater schenken.

 

Es ist ueber 500 Seiten stark, gut bebildert und enthaelt
eine Reihe historischer Fakten zu diesem Thema.

 

Das Geleitwort ist von der damiligen Ministerpraesidentik des Saarlandes,
Annegret Kramp-Karrenbauer.

 

Einige Aspekte in Gastgeber / Gast und deren schon vor 150 Jahren
existierenden Problemen zwischen diesen zaehle ich auf:

 

Fuer die vielen notwendigen Arbeitskraefte wurden schon damals viele
Bergleute von weit auswaerts angeworben.
Diesen wurde oft ein kleines Haus (Saarbruecker Praemienhaus)
von den Bergwerksbetreibern zur Verfuegung gestellt und die neuen
Inhaber waren nun doppelt abhaengig von ihren Arbeitgebern.

 

Oft gab es dazu einen kleinen Garten zum Selbstanbau und Selbstverpflegung
und oft lebten dort die sogenannten "Bergmannskuehe" (Ziegen).

 

Hausziege - die sogenannte BergmannskuhHausziege - die sogenannte Bergmannskuh

 

Trotz der Enge der Haeuser gab es oft ein Zimmer, das an andere Bergleute
vermietet wurde.

 

"Durchschnittlich lebten in diesen Praemienhaeusern 16 - 24 Personen,
darunter 6 - 8 Bergleute als Einlieger, die je nach Schichtverteilung
abwechseln oder gleichzeitig in den 4 - 5 Betten schliefen."

 

"Es gibt viele Bergleute, die nur 2 Zimmer haben,
dabei eine starke Familie, erwachsene Toechter, hatten aber trotzdem noch Schlafburschen.
Da wird und muss ja ein gesundheitsschaedliches und unsittliches
Leben gefuehrt werden."

 

Aber auch sogenannte Schlafhaeuser wurden vielfach gebaut und vermietet.

 

Durch die Siedlungspolitik lebten so ca 2/5tel der Belegschaft.

 

Die Bezieher der Bergmasnnseigenheime mussten Frau und Kinder besitzen!
Oft viele Kinder, wodurch sich noch weniger Wohnplatz ergab.


Die Haeuser durften auch nur an andere Bergleute weiterverkauft werden.


Zwei Drittel der verheirateten Saarbergleute hatten so ein Eighenheim.

 

Die Bewohner der Schlafhaeuser, die kasernenaehnlich waren,
schaetzten aber mehr die (doppel so teuren) Praemienhaeuser,
wegen, gerade bei den juengeren,
"den besseren Kontaktmoeglichkeiten mit dem weiblichen Teil der Bevoelkerung".

 

Die Dezentralisation des Wohnens fuehrte zu einem fliessenden Uebergang von der
Bergbauzone ueber eine Arbeiterbauernzone in die laendliche Zone.


Der Anteil der Wochenpendler betrug ca ein fuenftel.

 

Auszug aus der Hausordnung fuer Schlafhaeuser:


"Beim Eintritt eines Vorgesetten haben sich die ausser
Bett befindlichen Bewohner von ihren Sitzen zu erheben.

 

"Das Handtuch darf nur zum Abtrocknen des Koerpers,
niemlas zu anderen Zwekcen benutzt werden."

 

"Das Beherbergen von Leuten, die nicht ordnungsgemaess in die Schlafhaeuser
aufgenommen sind, ist nicht erlaubt."

 

"Die Abtritte muessen sauber und die Tueren stets geschlossen gehalten werden."

 

"Die Oefen duerfen nicht uebermaessig und nur durch vorhanderne Schueroeffnungen geheizt werden."

 

"Jeder Schlafhausbewohner, welcher sich an dem Eigenthum eines Hausgenossen
oder des Schlafhauses in diebischer Weise vergreift,
hat ausser den festgesetzten Disziplinarstrafen auch gerichtliche Verfolgung zu
gewaertigen."

 

Hausordnung der SchlafhaeuserHausordnung der Schlafhaeuser


Die Bergarbeiterkolonie-Haeuser-Blocks gibt es heute oft noch
und weisen niedrige Stockhoehen auf.

 

 

Fuer Frauen galt ja noch das Verbot untertaegiger Arbeit.
Obwohl die Heilige des Bergbaus die "Helige Barbara" war.

 

Die Epoche des (Kohle)-Bergbau belief sich auf die Jahre 1957 - 2012.

4 Antworten 4
Juliane
Community Manager
Community Manager

@Veronica-and-Richard0 

 

500 Seiten? Das ist ja ein ordentlicher Wälzer! 😊

 

Aber Danke für das Thema an sich. Schlaf- und Prämienhäuser hatte ich auch noch nicht gehört, oder ich kann mich nicht mehr erinnern. Auf jeden Fall ein interessantes Thema. Danke dir für die anschauliche Beschreibung, wie es da damals zuging. Da werd ich mich mal (wieder) ein wenig einlesen, was das Internet so hergibt. 😁

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Diesmal keine reale Reise sondern eine Zeitreise.

Hier noch ein Bild aus dem Buch ueber die Gefahren im Bergbau:

"Fiktionale Darstellung einer Schlagwetterexplosion
aus der Illustrierten le Petit Parisien von1907"

 

Fiktionale Darstellung einer SchlagwetterexplosionFiktionale Darstellung einer Schlagwetterexplosion

@Veronica-and-Richard0 

 

Das hoffe ich jetzt aber auch, dass ihr da nicht dabei wart! Also eher eine geistige Zeitreise als physische...🤔

 

Jetzt auch wieder gelernt, dass das ganze nichts mit dem Wetter (wie auch?) zu tun hat. Auch wenn ich es schon mal gehört habe, richtig verstanden, beziehungsweise nachgedacht habe ich da wohl nicht. Schön, dass es viele Lücken in meinem Sieb Hirn gibt. 😅

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