Von Antidiskriminierung – und anderen Irrtümern

Till-and-Jutta0
Host Advisory Board Alumni
Stuttgart, Germany

Von Antidiskriminierung – und anderen Irrtümern

Eines gleich vorweg: Jeder von uns diskriminiert auf die eine oder andere Weise. Da brauchen wir uns nichts vormachen, und das lässt sich wissenschaftlich eindrucksvoll belegen.

 

Der erste Schritt zur Antidiskriminierung ist deshalb das Selbsteingeständnis.

 

Und der zweite, die Alltagsdiskriminierung mit all ihren unterschwelligen Facetten einzudämmen.

 

Ein Beispiel aus der Diskussionspraxis in Gruppen:

„Ich hatte zwei Gäste aus Molwanien, die haben sich in unserer Ferienwohnung aufgeführt wie die Schw..., der Backofen verdreckt, Flecken auf der Bettwäsche, und geraucht haben sie auch, obwohl wir Rauchen verboten haben.“

 

Wer kennt so ähnliche Situationen nicht, sei es aus eigener leidvoller Erfahrung, sei es auch nur vom Mitlesen in den Gruppen.

Und schwups, schon setzt sich in unserem Unterbewusstsein so ein Bild über Molwanier fest (oder ein bereits vorhandenes bestätigt sich). Doch fragen wir uns mal ehrlich: Was hat das inakzeptable Verhalten der Gäste mit deren Herkunft zu tun? Könnten es nicht auch genauso gut oder schlecht Deutsche/Österreicher/Schweizer sein?

 

Deshalb: Lasst bitte die Herkunftsbezeichnung weg, solange es keine Relevanz hat. Im Beispiel hier hat es nämlich definitiv keine. Gleiches gilt natürlich auch für Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Religion etc.

 

Es gibt andere Beispiele, wo die Nennung der Herkunft durchaus Sinn macht. „Ich hatte Gäste aus Amerika, die bekamen unsere Tür nicht auf, obwohl technisch alles ok war.“ Da könnte man jetzt das Wissen beisteuern, dass in Amerika eben die Schlösser andersrum drehen. Hier hilft die Nennung der Herkunft, einen soziokulturellen Unterschied zu überbrücken. Und das gehört ja auch zum Kern der Airbnb-Idee.

 

Nicht dazu gehört aber – und das konnte ich hier hoffentlich etwas verdeutlichen – die irrelevante Nennung von diskriminierenden Merkmalen, die nur dazu geeignet sind, unterbewusste Vorurteile zu bilden oder zu festigen.

 

Zum Nachlesen nochmal, was Airbnb dazu geschrieben hat: https://www.airbnb.de/help/article/2867

 

Wer sich übrigens für Molwanien interessiert, dem sei hier geholfen: https://www.molwanien.de/

 

Und wer sich tiefer mit Vorurteilen beschäftigen möchte, dem lege ich den Impliziten Assoziationstest ans Herz: https://implicit.harvard.edu/implicit/germany/takeatest.html

[Unless stated otherwise, my comments are based on my personal Airbnb hosting and travelling experiences.]
1 Antwort 1
Juliane
Community Manager
Community Manager

@Till-and-Jutta0 

Beim Lesen dachte ich noch, Molwanien, nie gehört....dem Link gefolgt....weitere Minuten verstrichen....(mehr sage ich nicht, keine Spoiler!) 😁

 

Aber durchaus ein ernstes Thema und auch eines, was mich persönlich oft bewegt. Mal schauen, was bei dem Test herauskommt...

 

Danke fürs Teilen! 😊

 

 

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